DaWa 174 – Santi mit Flunsch

Reichlich Aufregung gab es in der vergangenen Woche um ein Interview, das Herthas Torwarttrainer Zsolt Petry einer ungarischen Zeitung gab. Die dort wiedergegebenen Äußerungen veranlassten Hertha dazu, den langjährigen Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung freizustellen. Zurecht?

Zum Glück gab es dann ja noch das Spiel am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach, die sich nach einer Notbremse von Keeper Sommer schnell in Unterzahl brachten. Trotzdem reichte es für Hertha nur zu einem Unentschieden. Zu wenig? Oder genau im Plan?

Zwischendurch schweifen wir ab.

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6 Gedanken zu „DaWa 174 – Santi mit Flunsch

  1. Peter und Werwohlf kann ich gedanklich folgen, diese laute Minderheit auf Twitter und anderen sozialen Medien, die dann den Weltuntergang suggerieren weil X was über Thema Y sagte und sich aus ihrem Deutungsrahmen bewegte, sind eine ganz üble Erscheinung dieser Zeit und führen, wie Henry es gut darstellte, durch die Überbewertung dieser Medien zu einer Verarmung der Meinungsvielfalt und Debattenkultur, denn „laut“ und „viel (e likes)“ heisst nicht, dass es richtig ist. Das beobachte ich auf allen Seiten.

    Zur Meinungsfreiheit:
    wenn ein Interview dazu führt, dass ich aus nem Unternehmen fliege, weil dem Unternehmen die Meinung nicht passt, haben wir keine Meinungsfreiheit. Punkt. Da muss man auch nicht gross um den Brei rumreden, das ist aus Sicht des Unternehmens legitim, aber benenne es auch so und eiere nicht rum. Der Meinungskorridor ist dann eben eingeschränkt und „Diversität“ und „Toleranz“ sind dann eben auch nur Worthülsen, da nur bis zu einer bestimmten Grenze (wo ist diese klar definiert? habt ihr auch gut angesprochen) etwas akzeptiert wird.

    „Petry hat sich in seinem Verhalten nichts zu Schulden kommen lassen und ist nicht durch fremdenfeindliche oder homophobe Äusserungen aufgefallen“ – damit ist alles pro Petry gesagt, er hat Toleranz und Respekt ja gelebt, seine eventuell persönlich konträre Meinung nicht über andere gestellt und nicht in negative Handlungen oder gar Straftaten umgemünzt, auch wenn er viele Dinge vielleicht anders sah. Es zählt auch, was jemand lebt.

    Meiner Meinung nach sollte auch ein Unternehmen wie Hertha, das Sponsoren wie u.a. Tedi, McDonald’s oder CocaCola als Partner hat, und von denen gutes Geld einstreicht, vielleicht sich auch mal überprüfen, ob da alle guten Tugenden wirklich hochgehalten werden oder so ehrlich sein, dass es im Endeffekt primär einfach um Geld und Effizienz geht und nur sekundär um „Werte“.
    Ich glaube z.B. nicht, dass ein Marcelinho zu seiner Primetime oder Ronny während der Saison 12/13 entlassen worden wären bei so einer Äusserung, schlicht um sportliche Ziele nicht zu gefährden. Petry war scheinbar auch entbehrlich, vielleicht ist aber auch noch mehr vorgefallen, das wissen wir nicht, da stimme ich herthalux auch teilweise zu.

    Auch In dem letzten Punkt liegt er richtig, hat Henry ja auch gesagt: weiter kommt man nur wenn es Dialog und Diskurs gibt und man diesen auch zulässt.

    Danke für euren Podcast, der schon immer ein gutes Beispiel für Authentizität und eine wahrhaftige, liberale Meinungsvielfalt war ohne ständig die Moralkeule zu schwingen um ‚gut‘ dazustehen.

  2. Die Meinungsfreiheit und- vielfalt ist ja scheinbar das wichtigste Gut bei Damenwahl und bisher scheinbar auch hier in den Kommentaren.

    Umso mehr finde ich es schade, dass sich hier und auch im Podcast jede(r) einig ist und es jene Meinungsvielfalt eben nicht gibt. Ihr glaubt, dass Hertha „sich dem Shitstorm beugt“ ohne alle Informationen zu haben. Ihr wisst nicht, was Petry zu seiner Verteidigung sagte, oder was bei Hertha überhaupt an dem tag abging. Da könntet ihr schon mal über den Tellerrand blicken und mit betroffenen Leuten reden. Wie fühlen sich denn Herthamitglieder, die den angesprochenen Minderheiten angehören? Oder Herthajunioren, die nicht dem „christlichen Europa“ entstammen?

    Ich finde Henry hat seine Meinung und Gedanken sehr überlegt zum Ausdruck gebracht, aber Yasemin haut da Phrasen raus, die nach Boomer klingen, der sich über „politische Korrektheit und Cancel-Culture“ aufregt. Anstatt weiter zu denken und sich Gedanken über die Aussagen zu machen und die Betroffenen.

    Außerdem hat Hertha sich ja mit Petry unterhalten, und da hätte sich vielleicht auch eine Lösung gefunden, wenn Petry Reue gezeigt und versprochen hätte, sich nicht wieder so in der Öffentlichkeit zu äußern. Oder hätte beweisen können, dass da alles falsch interpretiert wurde.

    Auch schade, dass ihr nicht weiter gegraben habt; bei Herthabase (wo man sich leider auch einig ist, aber dass es die richtige Entscheidung ist) ist man auf weitere fragwürdige Interviews gestoßen, die Petrys Aussagen bestätigen und zeigen wie rechtsaußen seine Gesinnungen sind.

    Hertha steht für eine offene und tolerante Welt. Wer das nicht will und zu einem Quasidiktator steht und dem gefallen will, hat bei meiner Hertha nichts verloren.

    Eigentlich wünschte ich mir aber vielmehr den Dialog zwischen Leuten mit verschiedenen Meinungen. Darum gibt es Podcasts doch: für den Austausch und die Reflexion. Also warum nicht mal Kloss oder Schwitzky einladen oder Combo-Folge machen, wo man sowas diskutiert. Dann holt man alle Hörer ins Boot und kann sachlich diskutieren, aber diesmal auch mit Leuten außerhalb der eigenen Bubble. Was dieses Thema angeht, hätte ich mir schon mehr Auseinandersetzung mit seinen Aussagen von euch erwartet, anstatt nur auf Meinungsfreiheit zu pochen.

    LG,

    @herthalux

    1. @herthalux

      Gestern hab ich Yasemins Spruch „Meinungsfreiheit schützt nicht vor Konsequenzen“ in der Abwandlung „Pressefreiheit schützt nicht vor Konsequenzen“ gehört. Bei beidem fällt mir die Kinnlade runter. Volle Fahrt in die Dystopie oder was?
      Niemand verlangt dass Du Petrys Meinung gutheisst. Aber sie ist nicht illegal. Wir haben aus gutem Grund keine Gesinnungsprüfungen oder gar Gesinnungsrecht. Und somit sind alle Forderungen nach beruflichen Konsequenzen ein Schritt in die übelste Richtung (um mal nicht die naheliegende dt. Geschichte zu bemühen: McCarthy-Ära).
      Bitte halte kontroverse (so kontrovers sind die außerhalb der eigenen Blase meist gar nicht) Meinungen aus ohne gleich die Leute abzusägen oder es zu fordern. Was willst du dich überhaupt mit seinen Äußerungen jenseits von „legal/illegal“ auseinandersetzen? Was soll das hinführen?

  3. Ich glaube nicht, dass man den Fall Fiedler als „daraus gelernt“ an die Causa Petry anlehnen kann.
    Da ging es ja lediglich um die Wertigkeit des Arbeitsverhältnisses.
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    Wenn Micha von der großen arabischen und großen türkischen Fan-Gemeinde spricht – meinte er damit die gleichen, die der GröFuMaZ einst meinte?
    Als er Bastürk verpflichtete, sagte er sinnbildlich, dass sich das Stadion ja jetzt von alleine füllen würde…
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  4. Peter hat schon viel von dem formuliert, was ich dazu zu sagen hätte. Nicht unbedingt so, wie ich es formuliert hätte, aber inhaltlich durchaus treffend.

    Die Frage ist natürlich, warum sich Hertha anders verhalten sollte als so viele Organisationen vorher. Wenn sich im Netz ein „Shitstorm“ (im Englischen übrigens eher „Blitz“ genannt) erhebt, zieht man den Schwanz ein und trennt sich von jedem als Ballast empfundenen Mitarbeiter. Das wird ja fast überall so praktiziert. Das Problem, das ich hier sehe, hat zwei Aspekte: Erstens, dass man Twitter mit der Wirklichkeit verwechselt. Spoiler: Twitter hat mit der Realität nichts zu tun. Dazu sind viel zu wenig Menschen dort vertreten, und die dort vertreten sind, sind nicht repräsentativ für die Bevölkerung (ich bin selbst da, und ich bin ganz sicher nicht repräsentativ für irgendwas…). Zweitens, das Signal, das der Verein aussendet. Dass in ihm die Mitarbeiter an erster Stelle stehen, kann man jetzt wohl nicht mehr behaupten. Das Signal lautet vielmehr: Wir lassen euch sofort wie eine heiße Kartoffel fallen, wenn irgendwelche Aktivisten auf Twitter es schaffen, einen „Blitz“ loszutreten.

    Das muss man dann eben auch so wollen.

    Ebenso muss die Rigorosität erschrecken. Petry wurde gefeuert (lassen wir arbeitsrechtliche Details beiseite), weil er an einer Stelle einmal etwas gesagt hat, das man böswillig interpretieren kann (lassen wir auch beiseite, dass man so gut wie alles böswillig interpretieren kann – wer das bezweifelt, braucht nur einen Twitter-Account zu eröffnen, um eines Besseren belehrt zu werden). Es ging offensichtlich nicht darum, welche Werte Petry tatsächlich vertritt. Es ging nur darum, welche Werte man ihm unterstellen könnte.

    Und genau dieses Hinterherrennen hinter einer der „woken“ Avantgarde liefert den Orbáns dieser Welt das Futter, von dem sie leben. QED.

  5. Ich finde Herthas Umgang mit Petry ist ein ziemliches Desaster. Kein Maximalschaden weil Herthas Lösung alles halbwegs unter den Teppich kehrt, aber der Schaden ist unter dem Teppich trotzdem da.

    Ich sehe zwei Möglichkeiten: entweder Herthas PR-Abteilung wollte den Verein als politischkorrekt-Musterkind auf Kosten Petrys profilieren und die Freistellung steht in einer Reihe mit der Knie-PR-Aktion, dem Regenbogentrikot 2019 und letztlich auch dem Kabinendesaster um Keuter.
    Oder Hertha hatte Angst vor dem absehbaren Shitstorm.
    Beide Möglichkeiten sind ne Katastrophe. Ich fürchte es war letzteres, sehe das wie Yasemin: es wäre übel geworden und Hertha hat aus vielen Gründen die Ihr auch genannt habt (u.a. Abstiegskampf, Hertha eh ein Reibungspunkt für Medien) einfach die Reißleine gezogen. Ein bisschen nachvollziehbar, aber:
    Der Verein knickt vor Leuten ein, die Petry als Rassisten und Faschisten hinstellen, weil sie 3 Sätze durch google translate gejagt haben. Das war nicht nur Twitter, auch die Medien schrieben Artikel und veröffentlichen Kommentare ohne zu recherchieren.
    Schön dass immerhin ne Woche zu spät die FAZ mal den Petry befragt und er ein bisschen Kontext reinbringen kann.

    Wie dünn das Eis ist, und wie weit außerhalb des rechtlichen Rahmens Hertha agiert wird ja auch klar, als es um die Möglichkeit der Abmahnung ging. Ganz so hemdsärmlig ist es nicht mit der Meinungsfreiheit und dem fehlenden Schutz vor Konsequenzen nicht. Denn so wie man Leute nicht rausschmeissen kann weil einem deren religiöse Ansichten nicht passen kann man Leute auch nicht einfach rausschmeissen weil einem deren politische Ansichten nicht passen. Und das ist auch gut so!
    Ich möchte aber sagen: letztlich spielt das gar keine große Rolle. Keine Firma hält einen Mitarbeiter wenn der völlig konträr zu dem eigenen Firmenverständnis tickt. Und das denke ich ist wieder ein Grund, im Zweifel pro Petry zu entscheiden. Wie groß ist der Anteil von Spielern mit Migrationshintergrund bei Herthas Jugendmannschaften? Bei den Mitarbeitern? Und Petry (der Wirtschaftsmigrant!) soll da jetzt irgendein fieses Diskriminierungs-Schwein gewesen sein?
    Das passt nicht, der wäre längst baden gegangen. Stattdessen: Hertha attestiert Petry explizit ne weiße Weste und es gibt auch keinen erleichterten Aufschrei von 5 Jahren Jugendspielern, die sicherlich die Chance gehabt hätten sich jetzt zu äußern.

    Mag sein, dass Hertha auch Angst hatte, sich den rechten Rand (wieder) ins Boot zu holen, wenn auch nur der Anschein erweckt wird Petrys Aussagen zu unterschreiben. Da hätte es aber andere Möglichkeiten gegeben.

    Fazi: beschissen gelaufen, jedem zukünftigen Shitstorm Tür und Tor geöffnet, dem eigenen Rückgrat geschadet und einen guten Mitarbeiter verloren. Dass Kiraly keinen Bock auf so ein Umfeld hat wundert mich nicht und wenn Dardai am Saisonende einfach sagt „schönen Dank, macht ohne mich weiter“.
    war Petry nicht der Grund, aber ein weiterer Tropfen ins Faß. Aber zu Dardai schreibe ich irgendwann nochmal etwas separat.

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